"Alte Märchen - neu erzählt" Bd. 3

 

Der kleine Muck

 

Die Schneekönigin

 

Der Zwerg Nase

 

Das Feuerzeug

 

 

Leseprobe:

 

Dann lief Kay in seine Kammer zurück, zog sich warm an, nahm eine dicke Pudelmütze und warme Handschuhe und holte seinen Schlitten aus dem Keller. Er wollte zu den anderen Jungs, die mit ihren Schlitten am großen Platz in der Stadt waren. Dort hielten sie immer Ausschau nach den großen Pferdeschlitten, hängten ihre Schlitten hinten an und ließen sich sehr schnell durch die Gegend ziehen. Kay hatte schon eine ganze Weile auf eine günstige Gelegenheit gewartet, aber irgendwie war ein anderer Junge immer schneller als er.

Dann sah er einen wunderschönen großen Schlitten näher kommen, machte sich bereit und als der Pferdeschlitten kurz an ihm vorbei war, hing er seinen kleinen Schlitten hinten an und los ging die wilde Fahrt.

Vier weiße Pferde zogen den prächtigen Schlitten, es ging sehr rasch vorwärts und Kay schrie vor Freude.

Vorn auf dem Pferdeschlitten saß jemand und war in weißen Pelz gehüllt. Plötzlich drehte die Gestalt sich um und sah Kay an. Es war ein eisiger Blick und er fuhr dem Jungen bis ins Herz.

Dann wurde ihm fürchterlich kalt, die schnelle Fahrt machte ihm keinen Spaß mehr und Kay wollte nachhause. Doch er konnte bitten und flehen, soviel er wollte, der Pferdeschlitten hielt nicht an.

Sie rasten durch das große Stadttor hinaus und erst als niemand mehr zu sehen war, hielt der Schlitten an.

Die Gestalt stand auf und Kay sah, dass es eine wunderschöne Frau war. Sie hatte eisblaue Augen und ihr Gesicht war ganz weiß. Sie lächelte den Jungen an und fragte, ob ihm kalt sei. Kay bejahte und da streckte die Frau ihre zierliche Hand aus und lud Kay ein, sich neben sie in den Pferdeschlitten zu setzen. Sie nahm eine dicke Lammfelldecke und breitete sie auf dem Sitz aus. Vorsichtig und mit klappernden Zähnen ging Kay zu ihr, er setzte sich und ihm war ganz unbehaglich zumute.

Die Frau gab ihm einen Kuss auf die linke Wange und fragte, ob er immer noch frieren würde. „Ja!“ sagte Kay und da gab sie ihm einen Kuss auf seine rechte Wange. Plötzlich war ihm nicht mehr so kalt, er hatte seinen Namen vergessen und hüllte sich in die warme Wolldecke. Jetzt fühlte der Junge sich wohl, lächelte die Frau schüchtern an und wurde sehr müde. Ehe er sich versah, fielen ihm die Augen zu und er schlief tief und fest.

Die Frau nahm die Zügel wieder in die Hände, trieb die Pferde an und der große Pferdeschlitten sauste durch die dicken Schneeflocken, die jetzt vom Himmel fielen und immer dichter wurden.

Sehr schnell verschwand der Schlitten im Schneegestöber und niemand hat ihn mehr gesehen.